Was ist Interlingua?
Interlingua wurde 1951 von der International Auxiliary
Language Association, bekannter als IALA, veröffentlicht.
Es ist die meist benutzte naturalistische Hilfssprache.
Das ungewöhnliche an Interlingua ist, dass sie für Sprecher
von Italienisch, Spanisch und Portugiesisch unmittelbar zu
verstehen ist, also von über 800 Millionen Menschen. Daher
wird Interlingua zur Einführung in diese natürlichen
Sprachen verwendet.
Die größten Kräfte der Wissenschaft, Technologie, Handel,
Diplomatie und der Kunst, im Verein mit der historischen
Dominanz der griechischen und lateinischen Sprache, haben
zu dem umfangreichen gemeinsamen Vokabular innerhalb der
westlichen Sprachen geführt. Interlingua benutzt ein
objektives Verfahren zum Herausziehen und Standardisieren
der häufigsten Wörter für ein Konzept, welches man in den
Kontrollsprachen vorfindet. Diese Sprachen sind: Englisch,
Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch, mit
Deutsch und Russisch als weitere Referenzsprachen. Wörter
aus jeder Sprache können in das Vokabular aufgenommen
werden, vorausgesetzt, dass sie in dreien der
Kontrollsprachen vorkommen.
Interlingua vereint dieses vorliegende Vokabular mit einer
Minimalgrammatik, welche den Kontrollsprachen entnommen
wurde.
Dieses unmittelbare Verstehen von Interlingua von Sprechern
romanischer Sprachen macht das Erlernen ungewöhnlich
leicht. Dank der einfachen Grammatik und der regelmäßigen
Wortbildung ist Interlingua für Sprecher anderer Sprachen
leichter zu erlernen als eine natürliche Sprache. Die
Wörter von Interlingua behalten ihre natürliche Form. Sie
werden niemals deformiert, um sie an eine vorgegebene
Grammatik oder einen Satz von Regeln anzupassen. Jedes Wort
behält seine normale Schreibweise und Bedeutung.
Einmal erlernt, kann Interlingua schnell und leicht zum
Erwerb anderer verwandter Sprachen verwendet werden, oder
auch um diese unmittelbar zu verstehen. Untersuchungen mit
schwedischen Studenten haben gezeigt, dass sie nach dem
Erlernen von Interlingua einfache spanische und
italienische Texte spielend übersetzen konnten. Zum
Beispiel übersetzte eine Interlingua-Klasse einen
spanischen Text, welchen Studenten zu schwierig fanden,
obwohl sie 150 Stunden in Spanisch unterrichtet worden
waren.
Höhen und Tiefen
Beim wissenschaftlichen Mitteilungsblatt Spectroscopia
Molecular, welches von 1952 bis 1980 veröffentlicht wurde,
fand Interlingua seine erste praktische Anwendung. 1954
wurde Interlingua beim zweiten World Cardiological Congress
in Washington DC für schriftliche Zusammenfassungen und
mündliche Interpretation benutzt. Innerhalb weniger Jahre
fand Interlingua auf neun weiteren medizinischen Kongressen
eine ähnliche Verwendung. Zwischen Mitte der 1950er und den
späten 1980er Jahren brachten mehr als dreißig
wissenschaftliche und medizinische Zeitschriften
Zusammenfassungen in Interlingua. Science Service, der
damalige Herausgeber des Science Newsletter,
veröffentlichte von den frühen 1950er bis 1970er Jahren
eine monatliche Kolumne in Interlingua. 1967 stimmte die
mächtige International Organization for Standardization
(ISO) fast einstimmig für den Einsatz von Interlingua als
Basis für ihre Wörterbücher.
1953 schloss die IALA ihre Pforten, wurde aber bis 1956
formal nicht aufgelöst. Eine Nachfolgeorganisation, das
Interlingua Institute, wurde 1970 gegründet, um Interlingua
in den USA und Kanda zu fördern. Das neue Institut
unterstützte die Arbeit anderer Sprachorganisationen,
brachte beträchtliche schulische Beiträge und erstellte
Zusammenfassungen in Interlingua für schulische und
medizinische Veröffentlichungen. Eine der größten
Errungenschaften war 1976 und 1977 die Schaffung von zwei
immensen Bänden über Phytopathologie, welche von der
American Phytopathological Society in Zusammenarbeit mit
dem U.S. Department of Agriculture hergestellt wurde.
Interlingua hat viele frühere Anhänger anderer
internationaler Sprachprojekte angezogen, namentlich
Occidental und Ido. Der ehemalige Occidentalist Ric Berger
hat 1955 die Union pro Interlingua (UMI) gegründet, und bis
zu den späten 1950er Jahren hatte das Interesse an
Interlingua in Europa dasjenige in Nordamerika bereits
übertroffen.
Werke in Interlingua wurden von der Universitätspresse in
Schweden und Italien veröffentlicht und in den 1990er
Jahren in Brasilien und der Schweiz. Mehrere skandinavische
Schulen führten Projekte durch, die Interlingua als Mittel
zum Erlernen des internationalen wissenschaftlichen und des
Kernvokabulars eingesetzten.
Im Jahre 2000 wurde das Interlingua-Institut, inmitten von
Finanzierungsstreitigkeiten mit der UMI, aufgelöst. Die
American Interlingua Society, die im darauf folgenden Jahr
gegründet wurde, folgte dem Institut und reagierte auf das
neu in Mexiko entstehende Interesse. Diesem folgte die
Gründung des Interlingua Education Institute.
Der sowjetische Block
Interlingua wurde in der Sowjetunion gesprochen und
gefördert, trotz Versuchen, die Sprache zu unterdrücken. In
Ostdeutschland wurden die Briefe und Magazine, die den
dortigen Repräsentanten von Interlingua von der UMI
geschickt wurden, von Regierungsbeamten konfisziert. In der
Tschechoslowakei erhielt Július Tomin Drohbriefe, nachdem
sein erster Artikel in Interlingua veröffentlicht worden
war. Trotz anhaltender Verfolgung gab er sein Ziel nicht
auf, tschechischer Repräsentant für Interlingua zu werden,
in der Schule Interlingua zu lehren und eine Serie von
Artikeln und Büchern zu veröffentlichen.
Interlingua Heute
Heutzutage hat sich das Interesse an Interlingua von der
wissenschaftlichen Anwendung aufs allgemeine Publikum
ausgebreitet. Einzelpersonen, Regierungen und
Privatgesellschaften benutzen Interlingua fürs Lernen und
Unterrichten, Reisen, Online-Veröffentlichungen und
Verständigung über Sprachbarrieren hinweg. Interlingua wird
vom Interlingua Education Institute und the Union Mundial
pro Interlingua (UMI) gefördert.
Die Anzahl der Sprecher von Interlingua ist während des
letzten halben Jahrhunderts beständig gewachsen. Wie vorher
bemerkt, ist Interlingua die meist gesprochene
naturalistische Hilfssprache. Der größte Vorteil von
Interlingua ist, dass sie aufgrund ihrer natürlichen (nicht
schematischen) Grammatik und ihres Vokabulars die meist
verstandene internationale Hilfssprache (International
Auxiliary Language (IAL)) ist, welche es den mit
romanischen Sprachen vertrauten, und den gebildeten
Englisch sprechenden erlaubt, ohne vorheriges Studium
Interlingua zu lesen und zu verstehen.
Interlingua hat aktive Sprecher auf allen Kontinenten,
besonders in Südamerika und in Ost- und Nordeuropa,
besonders hervorzuheben, in Skandinavien so wie auch in
Russland und in der Ukraine.
In Afrika, in der Republik Kongo, hat Interlingua eine
offizielle Vertretung. Es gibt viele Internetseiten in
Interlingua sowie Wikipedia- und Wikionary-Editionen, und
eine Reihe von Zeitschriften und Magazinen der damit
verbundenen nationalen Vereinigungen. Es gibt verschiedene
aktive mailing lists, und Interlingua wird auch in
bestimmten Usenet newsgroups benutzt, besonders in Europa.
Interlingua wurde auch in Rundfunk und Fernsehen
vorgestellt, wie auch durch CDs. In den letzten Jahren sind
auch Beispiele in Musik, Manga und Amine gesehen worden.
Interlingua wird in vielen höheren Schulen und
Universitäten gelehrt, manchmal als didaktisches Mittel zum
schnellen Erlernen anderer Sprachen durch Einführung in das
internationale Kernvokabular (International Core Vocabulary
(ICV)). Die angesehene Universität von Granada in Spanien,
zum Beispiel, bietet, in Zusammenarbeit mit dem Centro de
Formación Continua, einen Interlingua-Kurs an.